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Bilder des Glattfelder Bergdoktors

Veröffentlicht am Dienstag 07 September 2010 11:01:29 von roger.suter (1465 mal gelesen)

Dr. Ludwig Alhard Gelpke war nicht nur Glattfelder Dorfdoktor, sondern auch der erste Arzt im Walliser Saastal und darüber hinaus ein ambitionierter Bergsteiger und Maler, wie der Kulturgüterschutz der ZSO Glattfelden-Stadel-Weiach im letztjährigen WK feststellen durfte. Gemalt hat Gelpke an beiden Orten. Durch die Vermittlung des Glattfelder KGS-Chefs Alfred Gut kam im Saastal eine Ausstellung zustande.


Der gebürtige Basler war von 1923 bis 1935 im Saastal als Landarzt tätig. 1917 hatten die vier Gemeinden des Saastals eine Krankenkasse gegründet und Ludwig Gelpke eingestellt. Weil dieser seine Arbeit nicht sofort aufnehmen konnte, praktizierte in der Zwischenzeit Doktor Steffen, der Assistenzarzt von Ludwig Gelpkes Vater.


Arzt
In den Jahren 1923 bis 1925 wohnte der Talarzt des Saastals in Saas-Fee. Dann gründete Saas- Fee eine eigene Krankenkasse und Dr. Gelpke zog mit seiner Familie nach Saas-Grund. Das Hotel Monte Rosa stand zur Zeit leer, da die Engländer wegen des Krieges fernblieben. So nahm die Familie Gelpke hier Wohnsitz. Ludwig Gelpke arbeitete unter einfachsten Verhältnissen als Chirurg, Unfallarzt, Geburtshelfer und praktizierender Arzt. Manchmal musste er auch als Zahn oder Tierarzt eingreifen oder sogar Operationen durchführen. Der Saaser Doktor war für rund 1300 Talbewohner zuständig. Ohne Elektrizität, fliessendes Wasser oder gut ausgebaute Verkehrswege leistete er Grosses. Er war bekannt für seine langen und schnellen Schritte, womit er die Distanzen zwischen den Gemeinden bewältigte. Im Winter setzte er gar seine Hunde als Zugtiere ein. In den 30er-Jahren kaufte sich der Bergdoktor isländische Ponys, um die Wege zu verkürzen.


Bergsteiger
Neben seinem Beruf liebte der Arzt die Berge. Mit sechzehn stand er bereits auf der Monte Rosa. Ausserdem hat er mit den Bergführern Heinrich Supersaxo und Peter-Marie Zurbriggen das Lagginhorn und den Südlenz und das Nadelhorn als winterliche Gipfelerstbesteiger bestiegen. Später erzählte der Arzt, in der Sonne vor dem Haus Pfeife schmauchend, von seiner Bergsteigerzeit.


Maler
1926 hatte Ludwig Gelpke das Brunnenhaus im Weiler «in den Brunnen» erworben und bewohnbar gemacht. Hier wollte der Arzt nun fünf bis sechs Monate im Jahr wohnen und malen. Seit 1958 hatte der Maler keine Ponys mehr und so musste alles Nötige zum Weiler hinaufgetragen werden. 1976 hatte der Künstler einen Unfall, der ihn an den Rollstuhl fesselte. Trotzdem blieb er seinem abgeschiedenen Atelier treu. Zuerst liess er sich auf einem eigens angefertigten Traggestell in die Brunnen tragen. Später, als die Seilbahn in Betrieb war, seilte man ihn von der Kabine aus ab.


Gemalte Zeitzeugen
Durch seine Behinderung sind seine Bilder erstaunlicherweise «heiterer und duftiger» geworden, so Bernhard Andenmatten. Von der historischen und künstlerischen Qualität der Bilder kann sich jedermann selbst überzeugen. Die Ausstellung im St. Antonius soll noch bis 28. Oktober laufen.

(Quelle: Gletscher-Post September 2010, Saastal)


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